Kategorie: Thailand

  • Kein Platz in den Hütten

    Kein Platz in den Hütten

    Thailand ist für Frühbucher – und Kenner von Moskitonetzen.

    In Bangkok habe ich meine Schwester getroffen, die mich jetzt 14 Tage lang begleitet. Nun sind wir auf der Insel Koh Chang in der Adamanensee gelandet. Genau genommen ist es die zweite Insel und die dritte Hütte, denn – Überraschung! – wir waren nicht die einzigen, die die Idee hatten, eine solche Insel zu besuchen. Offenbar gab es außer uns aber nur wenige, die ihre Traumhütte nicht schon Monate im Voraus gebucht hatten. Das führte zu wildem Hüttenwechsel, fünf Nächte hier, zwei Nächte dort, Inselwechsel, noch einmal drei Nächte an einem weiteren Ort.

    Am Long Beach auf Koh Phayam lebten zwei junge Rüden unter einem Baum. Sie freuten sich über Snacks und spielten im Ozean. Fotos: Scoutbiene

    Station 1 war das Ressort „Green Beach Hut“ auf der Schwesterinsel Koh Phayam. Dort erhielt ich eine eindrückliche Lektion in Sachen Moskitonetze. Naiverweise hatte ich gedacht, Moskitonetze seien dazu da, um Moskitos abzuhalten. Die Lektion ging so: Wir hatten ein wunderschönes Häuschen bekommen, in der ersten Reihe ganz vorne am Strand. Obwohl es Insektengitter an den Fenstern hatte, befestigten wir zusätzlich unsere Netze an der Decke. Die einfachen Bastwände hatten kleine Lücken, und auch unter der Tür gab es einen Schlitz. Als mein Netz halbwegs sicher hing, ließ ich es locker über mein Bett fallen und machte es mir gemütlich.

    Mitten in der Nacht wachte ich von einem komischen Gefühl auf: einem leichten Kitzeln auf der Haut, das sich vom Rücken in Richtung Schulter bewegte. Es war absolut finster. Also blieb ich erst einmal stocksteif liegen und hoffte, dass ich mir dieses Gefühl nur eingebildet hatte. Wie als Antwort setzte das Kitzeln wieder ein, es wanderte in Richtung Kopf. In diesem Moment katapultierte ich mich mit einem beherzten Sprung aus dem Bett, schüttelte mich, griff nach der Taschenlampe und leuchtete mit klopfendem Herzen das Bett ab. Es war nichts zu sehen. Nach zehn Minuten hatte sich mein Puls beruhigt, also habe ich das Bett noch einmal inspiziert und bin irgendwann wieder schlafen gegangen.

    Am Morgen saß hinter meinem Rucksack, der neben dem Bett an der Wand lehnte, eine Jagdspinne von wirklich beachtlichem Ausmaß – kleiner als eine Tarantel, aber deutlich größer als unsere heimischen Wolfsspinnen. Ich bin mit sehr uncoolem Gekreisch aus der Hütte gerannt und habe es meiner Schwester überlassen, Hilfe zu holen. Ao, ein junger Mann aus Myanmar, hat das Tier mit einem Handtuch gefangen und gelobt, sie lebendig im Wald auszusetzen.

    Der Mangrovenstrand in der Buffalo Bay auf Koh Phayam.

    Unterkunft Nr. 2 lag am anderen Ende von Koh Phayam, in der sogenannten Buffalo Bay, an einem Mangrovenstrand, der sich von einer Schlicklandschaft am Nachmittag in eine nächtliche Zauberwelt verwandelte, einen vom Vollmond beschienenen Wasserwald, so hell, dass sogar Vögel am Strand umherliefen und Krabben am Ufer nach Nahrung suchten. Das war magisch.

    In dieser Hütte gab es nur niedliche Kröten, keine Spinnen.

    Nun sind wir auf Koh Chang, in Hütte Nr. 3. Von der Terrasse aus können wir jeden Abend beobachten, wie die Sonne mit immer wieder neuem, prachtvollen Farbenspiel über dem Ozean untergeht, begleitet vom Konzert der Zikaden.

    Eine Spinne gibt es auch hier, aber sie ist vergleichsweise klein. Ich stopfe jeden Abend das Moskitonetz sorgfältig unter der Matratze fest und winke ihr freundlich zu, bevor ich einschlafe.


    Die erste Hütte am Long Beach auf Koh Phayam. Sie lag wunderschön direkt am Strand.

  • One night to Bangkok

    One night to Bangkok

    Per Nachtzug in die Hauptstadt

    Gestern war Abenteuer. Die Aufgabe war es, vom Hotel in der laotischen Hauptstadt Vientiane zum Bahnhof im thailändischen Nong Khai zu gelangen. Aus Gründen, die mir hinterher nicht mehr klar waren, hatte ich den Nachtzug ab dort gebucht, und nicht, wie es sonst alle anderen machen, direkt ab Vientiane.

    Vientiane liegt direkt an der Grenze zu Thailand, und von der Terrasse meines Hotels aus konnte ich bereits auf die thailändische Seite hinübersehen. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass es auch einfach ist, dorthinzukommen. Am Tag der Abfahrt plante ich also genügend Zeit ein. Das war gut, denn der Taxifahrer brachte mich zum Fernbahnhof in Vientiane, und der liegt weit außerhalb der Stadt. Er war kaum davon zu überzeugen, dass ich direkt an der Grenze abgesetzt werden möchte, um zum Bahnhof von Nong Khai zu kommen, ganz einfach, weil das offenbar noch nie jemand gewollt hatte.

    Blick von der Mekong-Uferpromenade in Vientiane nach Nong Khai in Thailand. Fotos: Scoutbiene

    Nong Khai verhält sich zu Vientiane ein bisschen wie Słubice zu Frankfurt/Oder – eine Stadt, zwei Länder, getrennt durch den Mekong, verbunden durch die „Brücke der Freundschaft“. Auf laotischer Seite checkt man aus dem Land aus, besteigt einen Bus, der über die recht rumpelige Freundschaftsbrücke hoppelt und passiert am anderen Ufer die thailändische Grenze. Dann sucht man sich ein Tuktuk zum Bahnhof. Klingt ganz einfach, war aber aufregend. Klappt alles? Komme ich raus aus dem Land, rein ins nächste? Ist der komische Voucher, den ich für den Zug bekommen habe, tatsächlich gültig?

    Nachdem mich der Taxifahrer an der Grenze abgesetzt hatte, war es fast beleidigend einfach. Kurze Warteschlange an der laotischen Grenze – Ausreisestempel (dafür muss man bezahlen), Rumpelbrücke im Shuttlebus, dann Einchecken bei einem gelangweilten Grenzbeamten in Thailand.

    Am Bahnhof: Keine Kofferscans, keine Bestechungsgelder für die Mitnahme des Taschenmessers, wie es mir in Luang Prabang passiert war. Sie wollten nicht einmal den Reisepass sehen.

    Der Speisewagen im Nachtzug von Laos nach Thailand.

    Dann zuckelte der Zug durch die Nacht. Ich trank noch ein Dosenbier im mit Glitzerschmuck und Plastikblumen dekorierten Speisewagen und ging dann in mein Zwei-Bett-Abteil.

    Um kurz nach 5 kamen wir am noch nachtschweren Bahnhof von Bangkok an. Kurze Orientierung, dann fuhr ich zusammen mit müden Pendlern in der ersten S-Bahn ins Stadtzentrum und wartete dort zwischen den Töpfen und Pfannen der aufgeräumten Garküchen darauf, dass mein Hotel öffnete.

    Liegewagen im Zweite-Klasse-Abteil – sieht eigentlich ganz gemütlich aus, so eine Schlafhöhle.